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Marilyn Manson Valley
 

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Schmerzverarbeitung im heiligen Wald

Das neue, alte Gesicht des Marilyn Manson kann wahrlich keine Seiten mehr füllen. Denn mit seinem neusten Werk "Holy Wood (In the Shadow of the Valley of Death)" machen Marilyn Manson Vortschritt mit einem Rückschritt und beenden eine Trilogie, die mit "Antichrist Superstar" begann und mit "Mechanical Animals" weitergeführt wurde. Vorwiegend um Schmerzverarbeitung geht es auf dem neuen Album, und um den mislungenen Versuch die Welt zu verhindern. Aufgepasst, hier wird wieder mächtig viel Salz in die Wunden gestreut... Gekreuzigt sieht man ihn auf dem Cover seines neuen Albums "Holy Wood (In the Shadow of the Valley of Death)". Ein Aufschrei geht durch die christlichen Vereinigungen Amerikas. Doch Marilyn Manson erfindet sich mit seinem Album "Holy Wood..." nicht neu. Es heißt zurück zum Ursprung und es wird wieder mächtig viel auf "Antichrist Superstar" gemacht. Es heißt Schmerz verarbeiten für Marilyn Manson. Auf dem neuen Album beschäftigt er sich vorwiegend damit und um den kläglichen Versuch sich in eine Welt zu integrieren, die einfach nicht für ihn geschaffen ist. Er versagt und beendet sein Leben. Oder doch nicht. Denn das Ende der Geschichte bleibt offen, im klassischen Hollywood-Stil mit "Fortsetzung folgt..." und so weiter. Das Marilyn Manson lyrisch sehr vielfältig sein kann hat er uns mit seinem Geniestreich und Meisterwerk "Mechanical Animals" bewiesen. Das seine Lyrics aber auch stumpf und dämlich sein können, bewies er uns nicht nur einmal. So ist das neue Album "Holy Wood..." durchzogen von guten und weniger gut Songs, so dass man "Holy Wood..." wahrlich nicht als Meisterwerk bezeichnen kann. Auch die Kunstfigur Marilyn Manson ist weniger facettenreich, ja fast uninteressant geworden. 19 Stücke hat das Album, 19 Stücke die die Trilogie vollenden. Und laut Manson ist "Holy Wood" das beste Album in der Geschichte Marilyn Mansons. Was danach folgen wird ist unklar, es gab ein paar Äußerungen von Bassist Twiggy Ramirez : "Wir werden uns in Zukunft wieder neu erfinden und eventuell schon 2001 ein neues Studioalbum veröffentlichen. Es wird sich zeigen."

Marilyn Manson scheint geahnt zu haben, dass das neue Album nicht so gut laufen wird. Nicht umsonst hat er sich eine eigene Plattenfirma zugelegt. Nicht einmal ist sicher ob die Fans die Geschichte des neuen Albums verstehen. So ist sie doch sehr kompliziert angelegt. Das Album ist in vier Teile geteilt "In The Shadow", "The Androgyne", "Of Red Earth" und "The Fallen". All das soll mit der Geschichte Adams zu tun haben bis zum Fall Adams (siehe Song "The Fall of Adam") und dem Verweis aus dem Paradies von Eden. Um die Geschichte jedoch ganz von vorne aufzukrempeln, sei der bis dahin wahrscheinlich schwerste Tag im Leben des Brian Warner zu erwähnen, der 20. April 1999. Als zwei durchgeknallte Teens, Eric Harris und Dylan Klebold, 11 ihrer Mitschüler erschießen und sich anschließend selbst töten. Es wurden Gerüchte laut, dass die beiden Täter so geschminkt und gekleidet waren wie Marilyn Manson. Noch am gleichen Abend wurde Marilyn Manson für diese Straftat verantwortlich gemacht, seien die beiden doch Fans von seiner Musik gewesen. Es interessierte natürlich niemanden das die beiden überhaupt keine CD's von Marilyn Manson besaßen sondern Fans von Rammstein und KMFDM waren. "Niemand wird gewälttätig nur weil er eine bestimmte Musik hört", sagt Manson heute. Tief getroffen schrieb Marilyn Manson zwar noch eine Rechtfertigung in der Rolling Stone, zog sich dann aber bis zum Dezember 1999 zurück und hatte nur über sein Forum Kontakt zur Außenwelt. Dann nämlich ließ er die Bombe platzen, er wolle im nächsten Jahr sein neues Album veröffentlichen. Die Meldungen in der Musikpresse überschlugen sich, denn damit hatte nun wirklich niemand gerechnet. "Ich lasse mich nicht weiter von den Kritikern in den Arsch ficken, das neue Album wird allen so häftig die Fresse einschlagen, dass sie sich wünschen werden niemals geboren worden zu sein.", so Manson im Juli. "Es geht um die Trilogie. In "Antichrist Superstar" empfinde ich nur Hass für die Welt und habe keine Gefühle mehr, da mich diese grausame Welt zu einem Monster gemacht. In "Mechanical Animals" lerne ich wieder Gefühle kennen, und werde sofort mit der knallharten Welt des Showbiz und Hollywood konfrontiert (They love you when you're on all the covers, when you're not then they love another - von The Dope Show). Und erkenne später das ich genau zu dem geworden bin, was ich niemals ein wollte. Ein mechanisches Tier. In Holy Wood nun, gebe ich mein Leben auf, da ich erkenne das ich die Welt nicht verändern kann und das mein Versuch sich in diese kalte Welt zu integrieren gescheitert ist. Es endet mit dem Song 'Count to six and die' und man hört wie ich mich umbringen will."

Er habe das Album geschrieben um sich selbst zu heilen. Denn er habe seine depressivsten Momente gehabt, nachdem er für das Massaker verantwortlich gemacht worden war. Um das Massaker geht es auch in dem Song "The Nobodies" (We're the nobodies/we wanna be somebodies/when we're dead they'll know just who we are//some children died the other day/we fed machines and then we prayed/puked up and down in morbid faith/you should have seen the ratings that day). "In den Vereinigten Staaten von Amerika werden Mörder doch zu Staatshelden gemacht. Nach dem Motto : Wenn ich jemanden umbringe, dann bin ich auf jedem Titelblatt, jeder gottverdammten Zeitung der USA zu sehen. Ich wurde für jede Straftat die in Amerika begangen wurde verantwortlich gemacht. Denn Amerika braucht immer einen Sündenbock. Sie sind es niemals selbst, immer die anderen." Auch Amerika bekommt auf dem neuen Album natürlich sein Fett weg. In dem Song "The Love Song" singt er zynisch "Do you love your guns and your god and your government ?" und beschreibt damit den typischen amerikanischen Staatsbürger: ein Waffenarsenal im Keller, es wird jeden Abend zu Gott gebetet und immer fein die Regierung unterstützen. Das dieses System Risse hat, haben die Amerikaner scheinbar immer noch nicht bemerkt. Marilyn Manson macht sich ironischer Weise auch für die amerikanischen Jugendlichen stark. Auf "Disposable Teens" (das übrigens stark nach einem Beautiful People Abklatsch klingt) motzt er für die Jugendlichen die Eltern an (I'm a black rainbow/I'm an ape of god/I got a face that's made for violence upon it/I'm a teen distortion/Survived abortion/A rebel from the waist down). Er wird wohl auch mit der provokaten Zeile "The death of one is a tragedy/The death of a million is just a statistic" (aus "The Fight Song") wieder für Furore um seine Person sorgen. "Provozieren, das kann jeder, aber darum geht es mir überhaupt nicht. Ich möchte die Leute aufwecken und ihnen einen Spiegel vors Gesicht halten." Marilyn Manson vergleicht sein neustes Werk gar mit dem White Album der Beatles. Auch das Thema Zielgruppe wird auf Marilyn Manson's neuem album heiß diskutiert im Song "Target Audience (Narcissus Narcosis)" heißt es "I see all the young believers your target audience/I see all the old deceivers/We all just sing their songs". Marilyn Mansons Wunden sitzen tief, denn das letzte Album "Mechanical Animals" kam zwar auf Platz 1 der Billboard-Charts war dafür aber eine eindeutig kommerzielle Schlappe. Marilyn Manson, das Wundertier der Rockmusik ist nicht mehr sonderlich glaubwürdig. Alles ein gerissenes Marketingkonzept, möchte man meinen. Bei Marilyn Manson kann man das nie so genau sagen. Sollte Marilyn Manson das was er den Journalisten und seinen Fans auftischt ernst meinen, dürfte er ein Genie sein. Ist dies jedoch nicht der Fall, ist er eigentlich auch ein Genie. Marilyn Manson streckt den Mittelfinger gegen die USA. Neben einiger lyrischer Tiefschläge des Albums ist wohl "Lamb of God" das herausragendste Stück der CD. In dem Stück scheint Manson die Erkenntnis zu finden das man das Leben nicht ändern kann (If you die when there's no one watching/And your ratings dropped and you're forgotten/If they kill you on their T.V./you're a martyr and a lamb of god/Nothing's gonna change the world). In "Coma Black" fasst er alle Selbstmordgedanken in einem Song zusammen und singt das es Liebe nicht mehr gibt. Die Frage drängt sich natürlich auf, ob Marilyn Manson wirklich so empfindet. Prombt gibt er die Antwort : "Seit ich meine Verlobte Rose kennenlernte, weiß ich wieder was Liebe ist. " Sein neustes Werk kann man wirklich nicht als ein Meisterwerk oder Geniestreich bezeichnen. Marilyn Manson ist kurz davor Opfer seiner eigenen Marketingstrategie zu werden und ein vollkommen gewöhnlicher Musiker zu werden. Wir dürfen gespannt sein was sich Mastermind Brian Warner für das nächste Album ausdenkt.

Eine Holy Wood Rezension von Nicolai Sinn